Die Weinlese 2026 bei Dreissigacker begann am 17. August – so früh wie noch nie in den vergangenen Jahren. Kleine Erträge, eine frühe Reife und sehr unterschiedliche Entwicklungsstände innerhalb der einzelnen Parzellen prägen diesen Jahrgang.
Den Anfang machten Chardonnay-Trauben für die Sektgrundweine. Es folgten Spätburgunder für Pinot Brut, Chardonnay, Grauburgunder, Weissburgunder und schließlich die ersten Riesling-Parzellen in den Weinbergen rund um Bechtheim und Westhofen in Rheinhessen.
Die warmen Temperaturen bestimmten dabei von Beginn an den Rhythmus der Lese. Viele Tage starteten noch im Dunkeln, lange vor Sonnenaufgang. Mit Kopflampen ging es in die Weinberge, um die Trauben möglichst kühl zu lesen und die frühen Stunden des Tages zu nutzen.
Doch ein früher Beginn bedeutet nicht, dass auch jede Parzelle früh gelesen werden kann. Während einige Trauben bereits Mitte oder Ende August genau den gewünschten Punkt erreicht hatten, brauchten andere noch Zeit. Auch im September stehen deshalb noch einzelne Parzellen, deren Trauben weiter am Stock reifen können.
Der richtige Lesezeitpunkt entsteht nicht nach einem festen Plan. Er zeigt sich von Tag zu Tag neu – in der Entwicklung der Beeren, in ihrer Säure, in den Schalen und schließlich im Geschmack.

Jeden Tag neu entscheiden – die Weinlese in 2026
Während der Lese ist Jochen Dreissigacker fast durchgehend in den Weinbergen unterwegs. Immer wieder werden dieselben Parzellen angefahren, Beeren probiert und der Saft verkostet. Oft liegen nur wenige Tage zwischen zwei Besuchen, doch genau in dieser kurzen Zeit kann sich das Bild eines Weinbergs deutlich verändern.
Mostgewicht und Säure liefern wichtige Werte. Ebenso entscheidend ist das, was sich direkt an der Traube zeigt: die Entwicklung der Schalen, die Frische der Beeren und die physiologische Reife.
In 2026 zeigen sich diese Entwicklungen nicht überall gleichzeitig. Einige Parzellen zeigen früh eine hohe Konzentration, während die Schalen noch Zeit brauchen. In anderen beginnt die Säure bereits zu fallen, sodass weiteres Warten keinen Vorteil mehr bringt. Genau diese Unterschiede bestimmen den Verlauf der Lese. Der Zeitpunkt wird deshalb nicht für eine Rebsorte oder eine Lage festgelegt, sondern immer wieder neu für die einzelne Parzelle.

Selektive Handlese in Bechtheim und Westhofen
40 Erntehelfer sind während der Weinlese 2026 in den Weinbergen unterwegs. Ein verlässliches und eingespieltes Leseteam ist dabei besonders wichtig. Vieles von dem, was später die Qualität eines Weines bestimmt, beginnt bereits bei der Auswahl im Weinberg.
Gelesen wird von Hand in kleine Kisten und Boxen. Gerade in 2026 ist die selektive Handlese entscheidend. Wespenstiche, eingetrocknete Beeren oder beschädigtes Lesegut werden direkt am Stock aussortiert.
Diese Arbeit verlangt Aufmerksamkeit und Erfahrung. Nicht alle Trauben innerhalb einer Parzelle befinden sich zum selben Zeitpunkt im gleichen Reifestadium. Entsprechend genau muss bereits während der Lese unterschieden werden.
In einigen Riesling-Parzellen wurde deshalb zunächst vorgelesen. Beschädigte und faule Beeren wurden entfernt, während gesunde Trauben weiter am Stock bleiben konnten.
Auch im Schlossberg wurde das Tempo bewusst reduziert und stärker selektiert. Nicht die Geschwindigkeit gibt den Takt vor, sondern die Qualität der Trauben, die am Ende im Keller ankommen.

Dem Riesling Zeit geben
Besonders deutlich zeigt sich die Bedeutung des richtigen Zeitpunkts in diesem Jahr beim Riesling.
Ende August waren viele Trauben bereits weit entwickelt. Innerhalb weniger Tage veränderte sich ihr Zustand jedoch noch einmal deutlich. Die Beeren wurden zunehmend goldgelb, die Aromatik nahm zu, die Schalen entwickelten sich weiter. Der Riesling gewann noch einmal sichtbar an Reife und Ausdruck.
Statt einzelne Parzellen früh vollständig zu lesen, wurde zunächst selektiert. Beschädigte Beeren kamen heraus, gesunde Trauben konnten weiter am Stock reifen. Erst als sich auch geschmacklich die gewünschte Entwicklung zeigte, begann Anfang September Schritt für Schritt die eigentliche Riesling-Lese.
Noch sind nicht alle Trauben eingebracht. Einige Parzellen bekommen weiterhin zusätzliche Zeit am Stock.

Aus dem Weinberg in den Keller
Mit jeder gelesenen Parzelle verlagert sich ein Teil der Arbeit vom Weinberg in den Keller. Während draußen weitergelesen wird, beginnt auf dem Weingut bereits die Verarbeitung der eingetroffenen Trauben. Sie werden gekühlt, gestampft und gepresst. Moste werden vorgeklärt und verlegt, Fässer vorbereitet und die ersten Gärungen kontrolliert.
Die Abläufe richten sich nach Rebsorte, Reifegrad und der jeweiligen Partie. Die Trauben für die Sektgrundweine werden direkt verarbeitet. Andere kommen zunächst ins Kühlhaus und werden heruntergekühlt. Je nach Rebsorte und Reife werden die Trauben anschließend mit den Füßen angetreten und nach entsprechender Standzeit gepresst.
Ausgewählte Partien werden in kleinen Kisten auf das Weingut gebracht, damit möglichst wenig Druck auf die Beeren entsteht. Auch hier geht es darum, die Trauben so zu behandeln, wie es ihre jeweilige Reife und ihre weitere Verarbeitung verlangen.
Parallel dazu beginnen bereits die täglichen Gärkontrollen. Temperatur und Entwicklung der Moste und jungen Weine werden kontinuierlich überprüft und dokumentiert.
Auch Stiele und weitere Traubenreste bleiben Teil des Kreislaufs. Sie werden kompostiert und später wieder in die Weinberge zurückgeführt.

Weinlese 2026 – Der weitere Verlauf
Noch ist die Weinlese 2026 nicht abgeschlossen. Einige Parzellen bekommen weiterhin die Zeit am Stock, die sie für ihre weitere Reife brauchen.
Gleichzeitig zeigt sich im Keller bereits ein erstes Bild des Jahrgangs. Wie sich die letzten Parzellen einfügen und die ersten Moste und jungen Weine weiterentwickeln, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.























1 comment
Hallo guten Morgen liebes Team vom Weingut Dreissigacker,
Ihr Bericht über die noch andauernde Weinlese des Jahres 2026 war hochinterssant beschrieben, die professionellen Bilder hinzu, spannend anzusehen und unterstützend beim Verständnis Ihrer Arbeit.
Ich selber habe schon ein Grundpaket Ihrer Weine bestellt und war wirklich von der Qualität und dem Ausdruck Ihrer Weiner, selbst in der Einstiegskatergorie.
Da ich selber in der Weinabteilung einer großen, saarländischen Handelskette gearbeitet habe, weiß ich Ihre Arbeit sehr zu schätzen.
Machen Sie weiter so, ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg. Und hoffe, dass dass Ihnen die weiter vorangehende Klimaerwärmung Ihnen in Zukunft es nicht noch weiter schwer macht, so hochwertige Weine zu produzieren.
Mit freundlichen Grüßen aus dem Saarland.
Michael Nikes
Michael Nikes
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